Konzeption und Leitbild

Präambel 

  1. Allgemeine Rahmenbedingungen und konzeptionelle Vorgaben Gesetzliche Grundlagen
  2. Unsere Ziele des Reerer Kidstreff
  3. Allgemeine Formen der Kinder- und Jugendarbeit
  4. Regelmäßiges und spontanes Angebot
  5. Strukturiertes Angebot 
  6. Veranstaltungen 
  7. Unser Zielgruppen
  8. Unsere Grundprinzipien
  9. Inhaltliche Schwerpunkte und besondere Handlungsfelder, Arbeit mit Kinder- und Jugendlichen
  10. Soziale Bildung
  11. Kooperation
  12. Beauftragte/ Betreuer 
  13. Überprüfung und Fortschreibung   

 
 
 
 

Präambel 

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen. Gruppierungen unterscheiden sich oft stark aufgrund nationaler, ethnischer und religiöser Herkunft, nach ihren sozialen Lebensbedingungen und nach ihren jugendkulturellen Zugehörigkeiten. 
Jugendliche und junge Erwachsene sind besonders von den rasanten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen betroffen. Sie sind den vielfältigen meinungsbildenden und stimmungsmachenden Eindrücken und Instanzen oft schutzlos ausgesetzt. Der Reerer Kidstreff bietet jungen Menschen durch beständigen Betreuer/innen verlässliche Begleitung und eine verbindliche Orientierungshilfe in ihrer durch viele Umbrüche geprägte Entwicklung. 
Inhalte, Programme, Methoden und Angebotsformen der Jugendarbeit sind so heterogen, wie die Zielgruppen es sind . 
 

1. Allgemeine Rahmenbedingungen und konzeptionelle Vorgaben Gesetzliche Grundlagen 

Jugendlichen Räume, Möglichkeiten zur Entfaltung und zur Partizipation zu geben, ist eine zentrale Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung. 
„Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ (§1,SGB VIII). Hierzu soll Jugendarbeit „ junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen“ (Absatz 3 Satz 1 ), „ Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen “(Satz 3 ) und „dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und Familien sowie eine Kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen“ (Satz 4). 
Die Angebote der Offenen Jugendarbeit leistet grundlegende Sozialisationsaufgaben für junge Menschen. Sie sind in ihrer Wirkung präventiv. Bei der Ausgestaltung der Leistungen und der Erfüllung der Aufgaben sind die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern“ ( §9,Abs.3,SGB VIII ) 
Jugendarbeit hat im System der Jugendhilfe einen unverzichtbaren Stellenwert: 
„ Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen ( § 11, SGB VIII ) 
Kinder – und Jugendarbeit ist eine Pflichtaufgabe nach den SGB VIII. 
 

2. Unsere Ziele des Reerer Kidstreff 

Als weitere Bildungs– und Erziehungsinstanz neben Elternhaus, Kindertageseinrichtungen und Schule kommt der Jugendarbeit als zentrales Element der Jugendhilfe große Bedeutung und Verantwortung für die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen zu. 
Kinder und Jugendliche sollen sukzessiv in die Gesellschaft hineinwachsen können. Das wird ermöglicht durch angemessene Partizipation und durch die Bereitstellung der erforderlichen Angebote der Kinder- und Jugendarbeit zur Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Junge Menschen auf ihrem Weg vom Kind zum Erwachsenen zu unterstützen, ihnen bei der Bildung ihrer Identität zur Seite zu stehen , ihre Interessen zu vertreten und dabei Freiräume zum Ausprobieren zuzulassen und zu gestalten, sind die zentralen Ziele vom Reerer Kidstreff. 
Dazu gehört auch die Schaffung von pädagogisch betreuten Spielmöglichkeiten, informellen Treffs der Kinder und Jugendarbeit, sowie die Schaffung und der Ausbau von weiteren Freiräumen und Entfaltungsmöglichkeiten. 
Pädagogische Zielsetzungen : 

  • Förderung der  Personelen und Sozialen Kompetenzen
  • Förderung der Selbständigkeit

• Förderung des Selbstbewusstseins und des Selbstwertgefühls 
• Förderung der Eigenverantwortlichkeit, des Verantwortungsbewusstsein 
und der Gemeinschaftsfähigkeit 
• Förderung der Kommunikationsfähigkeit, der Kritikfähigkeit, 
Kooperationsfähigkeit und Konfliktfähigkeit 
• Hinführung zu sozialem Engagement und gesellschaftlicher 
Mitverantwortung im Ort 
Jugendarbeit hat sich in Deutschland nach Familie und Schule zunehmend als „ drittes Standbein der Erziehung „ etabliert. 
 
 
 

3. Allgemeine Formen und Methoden der Kinder und Jugendarbeit 

Der Reerer Kidstreff bietet einen Aktions-, Erfahrungs-, Experimentier- und freien Handlungsspielraum für die jungen Menschen. Es gelten die Prinzipien von Freiwilligkeit, Selbstbestimmung, Gleichbehandlung und Gleichberechtigung. 
Ziel ist die Unterstützung der Jugendlichen bei ihrer Suche nach Orientierung, Identität, Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns, sozialer Zugehörigkeit und adäquaten Formen der Freizeitgestaltung unter Berücksichtigung ihrer Interessen, Bedürfnissen und Neigungen. 
Der Kidstreff ist überparteilich und überkonfessionell. Ein Schwerpunkt der inhaltlichen Arbeit kann die Sozialpädagogische Beratung und Begleitung der jungen Menschen werden. 
 

4. Regelmäßiges und Spontanes Angebot 

Ein wesentlicher Bestandteil des Kidstreff  ist das regelmäßige sowie spontane Angebot. Die Notwendigkeit eines solchen Angebotes ergibt sich in erster Linie aus folgenden Aspekten. 
• Entwicklungspsychologische Situation 
Sehr viel Jugendliche können sich nicht mehr auf traditionelle Jugendgruppen einlassen, da sie zeitlich von Vereinen, Schulen oder auch durch die Medien zeitlich beeinflusst werden. Dennoch ist der Kontakt zu Gleichaltrigen sehr wichtig, um die Anforderungen im Jugendalter zu bewältigen. Aus diesem Grund sind Treffpunkte notwendig, die es erlauben, kurzfristige und zunächst unverbindliche Kontakte zu knüpfen und eine Bezugsperson kennenzulernen. 
• Veränderte gesellschaftliche Situation 
Für Kinder und Jugendliche wird es zunehmend schwieriger, einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Einzelne Lebensbereiche werden als kompliziert, undurchschaubar und mit vielen Widersprüchen behaftet erlebt. Ein offenes Angebot dient in dieser Situation als Treffpunkt, wo Hilfe und Orientierung geboten werden können. 
Das Angebot umfasst die ständig nutzbaren Freizeitmöglichkeiten. Diese Möglichkeiten beziehen sich auf die zur Verfügung stehenden Räume, Materialien und Geräte. 
 

5. Strukturiertes Angebot 

Einen weiteren Schwerpunkt stellt das strukturierte Angebot dar. Dieses Angebot setzt ziel -, personen- und themenorientiert an. In Arbeitskreisen, Workshops oder ähnliche wird an die lebensweltlichen Bedingungen der Kinder und Jugendlichen, ihren Interessen, Neigungen, Konflikten und Problemen angeknüpft. Dies kann durch Angebote wie u.a. erlebnispädagogische Veranstaltungen, geschlechtsspezifische Pädagogik, Medienpädagogik, Angebote zur Gewaltprävention etc. erreicht werden. 
 
Die Projektarbeit ist vor allem gekennzeichnet durch die zeitliche Begrenzung der Aktivitäten. Hier ist in erster Linie die Umsetzung der von den Jugendlichen selbst geäußerten Ideen und geplanten Aktionen möglich. ( z.B. Skater- Event, Spielplatztage, Ausflüge usw. ) Mit den Aktionen soll die Mitverantwortung und Mitbestimmung gefördert werden. Darüber hinaus soll eine Identifikation mit dem Reerer Kidstreff stattfinden, die zu einer aktiven Mitarbeit auch zukünftig motiviert. 
 
 

6. Veranstaltungen 

Mit Veranstaltungen sollen die jungen Menschen vor allem zu eigenen kreativen Arbeiten angeregt werden. Als Veranstaltungen im Rahmen der vielfältigen Jugendkultur sind u.a. Veranstaltungen und  Mitwirkung in Rodau ( Laternenfest, Oktoberfest, Rodauer Wies`n, Sommerfest und Weihnachtsmarkt im Café 1798 und noch vieles mehr) möglich. Aufgrund der sehr guten verbandlichen Jugendarbeit vor Ort kann hier langfristig eine Kooperation, Vernetzung und Nutzung von Synergieeffekt erfolgen indem bereits bestehende Ressourcen einbezogen und miteinander ausgebaut werden. 
Durch eine begleitete selbständige Organisation der Veranstaltungen wird das eigenverantwortliche Handeln gestärkt. 
 
 

7. Unsere Zielgruppen 

Im Reerer Kidstreff werden geplante aber auch spontane, Aktivitäten auf Kinder – und Jugendliche im Alter von 4-16 Jahren als Kernzielgruppe angeboten. Die Angebote sind nach Zielgruppen ausdifferenziert. 
 

8. Unsere Grundprinzipien 

• Offenheit: Der Reerer Kidstreff ist grundsätzlich offen für alle Jugendlichen unabhängig von sozialer Herkunft, Geschlecht, Weltanschauung oder religiöser Zugehörigkeit, Nationalität, ethnischer Gruppierung und jugendkultureller Ausrichtung. 
• Freiwilligkeit: Die Kinder- und Jugendliche entscheiden selbst, ob und in welcher Form sie Angebote annehmen wollen. 
• Bedürfnis-, Lebenswelt -und Alltagsorientierung: Kinder- und Jugendarbeit orientiert sich an den Lebensrealitäten und dem Alltag von Menschen, berücksichtigt deren Lebenswelten und soziale und kulturelle Zusammenhänge. Unsere Angebote setzen an den Bedürfnissen, Interessen und Erfahrungen der Jugendlichen an, sie sind deshalb situationsbezogen und flexibel. 
• Ganzheitlichkeit: Die jungen Menschen werden in Zusammenhang mit allen ihren biografischen Mustern, sozialen Bezügen, Bedürfnissen, Interessen, Wünschen, Verhaltensäußerungen und Einstellungsmustern gesehen. 
• Partizipation und Selbstverwaltung: Besondere Beachtung finden Formen der Mitbestimmung und Mitverantwortung, die Möglichkeiten der Mitgestaltung bis zur Gestaltung und Nutzung von Programmteilen in Eigenregie. 

  • Vertrauensschutz und Anonymität: Vertrauensschutz und Anonymität sind gewährleistet. Eine strikte Beachtung der Datenschutzrechtlichen Bestimmungen des Kinder – und Jugendhilfegesetzes ist Arbeitsgrundlage.
  • Kontinuität: Kinder und Jugendarbeit muss Kontinuität im Sinne einer regelmäßigen Präsenz durch ausreichende Treffen gewährleisten werden

• Flexibilität: Kinder - und Jugendarbeit lebt mit und von der Veränderung. Angebote sowie räumliche, zeitliche und methodische müssen sich den wandelnden Bedürfnissen und Lebensrhythmen der Kinder- und Jugendlichen anpassen. 
• Transparenz: Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang mit den jungen Menschen sind unverzichtbar. Dabei ist zu überprüfen und pädagogisch abzuwägen, was und in welchem Umfang dem Jugendlichen oder gegenüber Dritte offen gesagt werden kann. 
• Kongruente Kommunikation : Wir legen großen Wert auf einen freundlichen respektvollen und achtsamen Umgangston . Dies gilt für alle Mitwirkende. 
• An den Bedürfnissen und Interessen orientierte nicht-kommerzielle und leicht zugängliche Freizeitangebote mit Kommunikation, Action, Spaß, Musik und Sport 
• Inanspruchnahme und aktive Gestaltung von „ Räumen “, die eigenständig und zielgruppenadäquat genutzt werden 
• Freundschafts- und Beziehungsaufbau zu Gleichaltrigen 
• Initiierung, Ermöglichung und Förderung von Integrationsprozessen( jung und alt, interkulturell, in Schule, Ausbildung, Beruf, Verein und Gesellschaft ) 
• Begleitung der jungen Menschen beim Aufwachsen zur Förderung der Eigen – und Selbsthilfepotentiale 

  • Anlauf und Vermittlungsstelle für viele Interessen, Wünsche und Fragen junger Menschen in Rodau .

• Erhaltung, Sicherung und Schaffung formeller und informeller Treff- und Begegnungsmöglichkeiten 

  • Kontakt – und Unterstützungsangebot für junge Menschen

 

9. Unsere inhaltlichen Schwerpunkte und besonderen Handlungsfelder 

Der Reerer Kidstreff bietet allen sich regelmäßig zu treffen sich auszutauschen füreinander dazu sein. Dabei werden informelle Bildungsprozesse angestoßen, etwa im Bereich der sozialen Kompetenzen. In offenen Angeboten lernen Kinder und Jugendliche, eigenverantwortlich zu kommunizieren und zu kooperieren, sich auf Konflikte und deren Lösung einzulassen und haben die Möglichkeit zur Begegnung und Auseinandersetzung mit Kinder und Jugendlichen unterschiedlicher sozialer, kultureller, religiöser oder politischer Orientierung. 
 
Im Kidstreff sollen alle langfristig die Möglichkeit einer selbständigen und eigenverantwortlichen Durchführung von Angeboten sowie die Mitbestimmung und Mitverwaltung bei der Programmauswahl und– durchführung haben. 
 
 

10. Soziale Bildung 

In der Arbeit mit den Kindern findet Bildung im umfassenden Sinne statt. Die Schaffung geeigneter Bedingungen trägt dazu bei, dass Kinder und Jugendliche ihre sozialen, emotionalen und kognitiven Fähigkeiten entwickeln. Methoden und Inhalte der Kinder- und Jugendarbeit ermöglichen den Erwerb sozialer Kompetenzen wie interkulturelle Kompetenz, Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Kritikfähigkeit, Toleranz, Kooperationsfähigkeit, Engagement und selbstorganisiertes Lernen. Diese sogenannten „Soft Skills“ gewinnen immer mehr an Bedeutung und rücken daher immer weiter in den Mittelpunkt der Angebote des Reerer Kidstreffs. 
Es ist die Aufgabe der Kinder und Jugendarbeit, subkulturellen Ausdrucksformen Raum zu geben, sie aber auch kritisch zu hinterfragen. Sie sollen sich mit ihrer eigenen Jugendkultur auseinandersetzen. 
Neben Musik, sind es insbesondere die kreativ-künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten, denen in der Jugendarbeit Raum gegeben wird. Zeichen – und Holzwerkstätten, aber auch neue Medien wie Kameras und Handys werden dafür genutzt. 
 
 

11. Kooperation 

Kooperationen zwischen in Rodau sitzende Vereine sind eine Selbstverständlichkeit und eine unabdingbare Voraussetzung für ein erfolgreiches Wirken. Der regelmäßige Austausch mit anderen Institutionen macht eine Entwicklung von effektiven Lösungsstrategien im Sinne der Kinder  möglich und stellt für die Beteiligten einen Gewinn dar. 
 

13. Beauftragte/Betreuer 

Die personelle Besetzung für den Reerer kidstreff setzt sich aktuell zusammen aus: 
1 weibliche pädagogische Fachkraft (Staatlich anerkannte Kinderpflegerin) 
Bei Urlaubs- und Krankheitszeiten wird kein Kidstreff angeboten. 
 

14. Überprüfung und Fortschreibung 

Dieses Leitbild wird in regelmäßigen Abständen, spätestens alle zwei Jahre, überprüft und gegebenenfalls fortgeschrieben. Fachliche Weiterentwicklungen, neue Handlungsfelder und Arbeitsansätze in der Kinder und Jugendarbeit werden ebenso beachtet wie die Fortschritte von Organisationsreformen und die Weiterentwicklung von Ansätzen und Instrumenten des Sozialmanagements.